Seit ich denken kann, gehören Kirche und Glauben zu meinem Leben. Schon als Kind war mir klar, dass es einen liebenden Gott gibt, der für meinen Kummer immer ein offenes Ohr hat. Und ich kann sagen, ich hatte viel Kummer als Kind. Oft lag ich abends im Bett und habe gebetet.

Ob ich damals schon begriffen hatte, dass Gott auch antwortet, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls war mir damals schon im Kindergottesdienst und später als Teenie sowohl in der Konfirmandenstunde als auch im Ex-Konfirmandenkreis die Geborgenheit in einer Gruppe außerhalb der Familie sehr wichtig. Das hat mich maßgeblich geprägt.

Auch als ich anfing, selbst Kindergottesdienststunden zu leiten, waren die Vorbereitungsstunden zusammen mit unserem damaligen Pfarrer eine Zeit, in der eine wunderbar geborgene Stimmung herrschte. Doch die wirkliche Zugehörigkeit zu einer Gemeinde habe ich bis dahin nicht kennen gelernt.

Das kam erst sehr viel später, nachdem ich über Jahre hinweg eigentlich meinen Glauben als Stiefkind behandelt hatte. Die Echtheit meines Glaubens wurde vor inzwischen schon 21 Jahren (Kinder, wie die Zeit vergeht!) auf eine sehr große Probe gestellt. Ich musste erkennen, dass mir das Wesentliche gefehlt hat, nämlich eine lebendige Beziehung zu einem Gott, der nicht nur liebt, sondern auch und vor allem vergibt. Dies zu erfahren, dazu habe ich 31 Jahre alt werden müssen um dann zu erkennen, dass die Kirche, so wie ich sie kannte, mir nie verständlich gemacht hat, dass ich Jesus als meinen persönlichen Freund und Erlöser annehmen kann.

Erfahren habe ich dies in einer Stadtmissionsgemeinde, die mir vom ersten Augenblick, als ich sie besuchte das Gefühl vermittelt hat, ich bin angenommen und es ist gut, dass ich zu dieser Gemeinde gekommen bin. Von Anfang an habe ich wieder diese Geborgenheit gespürt, die mir aus Kindertagen vertraut war, die ich aber erst jetzt der Gegenwart des lebendigen Gottes zuordnen konnte.

Damals hatte ich ein Kind im Alter von drei Jahren, ein zweites war unterwegs. Mir wurde nach und nach klar, dass ich auch meine Familie mit in diese Atmosphäre der Geborgenheit mit hinein nehmen will. Vielleicht auch deshalb, weil das, was die eigene Familie geben kann, einfach nicht genug ist für unsere hungernden Seelen. Da ich selbst als Kind immer nur diese große Sehnsucht gespürt habe, sie aber nie so ganz gestillt bekam, bin ich jetzt, da ich eigene Kinder habe (inzwischen drei und mittlerweile auch fast alle erwachsen), doppelt froh, dass meine Kinder zusätzlich zur leiblichen Familie von Anfang an auch zur großen Gemeinde -j.r.r Familie gehören dürfen mit vielen Menschen, die sie lieben, sie annehmen und vor allem ihnen und mir helfen, ihnen einen guten und gesunden Glauben vorzuleben. Meine Kinder sind inzwischen in einem Alter, wo der Kinderglaube aufhört und zu einem reifen auch hinterfragten Glauben werden kann. Jedes Kind hat seinen persönlichen Weg mit Gott und ich bin sicher, dass er auch sie leiten und begleiten will in eine lebendige Beziehung zu ihm.

Für meine persönliche Entwicklung kann ich sagen, dass ich oft schon von der Liebe, der Großherzigkeit und den Glaubenshilfen anderer Gemeindeleute profitiert habe. Es macht mich stark und zuversichtlich zu wissen, wir sind gemeinsam auf dem guten Weg. Es ist darüber hinaus klasse zu erfahren, dass auch andere Menschen in der Gemeinde schon durch mich und meine mir von Gott geschenkten Gaben wirklich gesegnet wurden.

In dem allem kann ich eigentlich nur das Wirken Gottes sehen. Menschen sind fehlerhaft, verletzen einander und reden manchmal dummes Zeug, aber Gott kann sogar auf krummen Linien gerade schreiben und wer selbst aus der Gnade und Vergebung eines unendlich barmherzigen Gottes lebt, dem sollte es nicht schwer fallen, auch seinen Mitmenschen zu vergeben und ihn mit all seinen Macken mitunter zu ertragen.

Doch auch außerhalb meiner Gemeinde gab und gibt es Menschen, die meinen persönlichen Glauben teilen. Somit gibt es auch so etwas wie eine ganz große Familie über die Familie der eigenen Gemeinde hinaus. Dies wird mir oft sonntags bewusst, wenn wir hier bei uns Gottesdienst feiern und an alle die Menschen denken, die jetzt ebenfalls zusammen sind, um Gottesdienst zu feiern.

Irgendwie ist es eine herrliche Sache zu wissen, man ist mit vielen Menschen überall auf der Erde verbunden durch den Glauben an den auferstandenen und wiederkommenden Herrn Jesus Christus.


Jutta Rettig
verheiratet
3 Kinder
Musikpädagogin